Teuerungswelle zwingt Studierendenwerk zur Beitragserhöhung

Teuerungswelle zwingt Studierendenwerk zur Beitragserhöhung

Neue Sozialbeiträge ab Sommersemester 2023, Preise in Mensen und Wohnheimen steigen. Studierendenwerk realisiert striktes internes Sparprogramm

  • Eigene Erlöse und Landeszuschüsse decken Aufwandssteigerungen und Mehrkosten nicht mehr ab
  • Finanzierung der Leistungen des Studierendenwerks wäre ohne Gegenmaßnahmen gefährdet
  • Mehrheitsbeschluss im Verwaltungsrat sieht ab Sommersemester 2023 einen um 13 Euro erhöhten Sozialbeitrag vor
  • Mensa-Menüs werden ab sofort um zehn Cent teurer, die Nebenkosten-Pauschale in den Wohnheimen steigt ab Juli um rund 20 Euro
  • Sparmaßnahmen in allen Bereichen des Studierendenwerks, Projekte auf dem Prüfstand
  • Tägliche Versorgung der Studierenden wird in der Hochschulgastronomie weiterhin zu vergünstigten Preisen sichergestellt
  • Ausbau des psychotherapeutischen Beratungsangebots unverzichtbar

Darmstadt, 1. Juni 2022. Weil eigene Erlöse des Studierendenwerks und Zuschüsse des Landes Hessen Aufwandssteigerungen und Mehrkosten nicht mehr abdecken, ist ab dem Sommersemester 2023 ein um 13 Euro erhöhter Sozialbeitrag vorgesehen. Der Verwaltungsrat folgte mit diesem Beschluss einem Vorschlag der Geschäftsleitung des Studierendenwerks. An der Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt immatrikulierte Studierende überweisen dem Sozialunternehmen seit der letzten Beitragsanpassung im Jahr 2009 bislang unverändert 80 Euro pro Semester.

Das Studierendenwerk hat seine Angebote in den vergangenen Jahren modernisiert, Unterstützungsmaßnahmen ausgebaut und dem Bedarf einer stark gewachsenen Zahl von Studierenden angepasst. Die Finanzierung dieser Leistungen ist jedoch aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtlage gefährdet. Die Studierendenzahlen werden künftig im besten Fall stagnieren, so die Prognosen der Hochschulen. Mehrausgaben des Landes Hessen in Form von Zuschüssen für die sozialen Belange der Studierenden sind nicht absehbar. Steigende Energiekosten, erhöhte Personalkosten im Zuge von Tarifsteigerungen, Umsatz-Einbrüche im Zuge der pandemiebedingten Mensa-Schließungen sowie die Auswirkungen einer immer noch vergleichsweise geringen Präsenz der Studierenden an den Hochschulen bergen hohe wirtschaftliche Risiken.

Gleichzeitig schlagen höhere Kosten beim Wareneinsatz zu Buche, etwa bei Ölen und Fetten, Tiefkühlwaren, Fleisch, Gemüse und Obst, die in der Hochschulgastronomie verarbeitet oder angeboten werden. Bereits vor der Ukraine-Krise kletterten die Einkaufspreise, weitere Steigerungen sind realistisch. Wo etwa 2020 der Wareneinsatz für ein Pasta-Gericht noch bei knapp unter einem Euro lag, müssen inzwischen 70 Cent mehr kalkuliert werden. Angesichts der schwierigen Ertragssituation konnten im Wirtschaftsplan 2022 des Studierendenwerks erstmals nicht alle notwendigen Rücklagen für Instandhaltungsaufgaben dargestellt werden.

Wolfgang Rettich, Geschäftsführer Studierendenwerk: „Alle unsere Prozesse haben wir deshalb auf Sparpotenziale und Priorität geprüft, um das Jahresergebnis ab 2022 zu sichern. Offene Stellen in der Hochschulgastronomie werden beispielsweise bis auf Weiteres nicht besetzt.  Dennoch kann nur die Erhöhung des Sozialbeitrages das Niveau unserer Leistungen erhalten. Nach 12 Jahren Beitragsstabilität ist dieser Schritt notwendig. Selbst bei höheren Einnahmen durch einen gestiegenen Sozialbeitrag ab 2023 bleibt allerdings unser Ergebnis stark vom Umsatz und Aufwand der Hochschulgastronomie abhängig. Bei einem Szenario, das weiterhin von vergleichsweise geringen Umsätzen ausgeht, würde sich unweigerlich ein bilanzielles Defizit ergeben.“

Um den aktuellen Preisdruck abzufedern, hält es der Geschäftsführer für dringend geboten, gegenzusteuern: Die Nebenkosten-Pauschale in den Wohnheimen wird ab Juli um rund 20 Euro teurer. Die Preise der Hauptgerichte in der Hochschulgastronomie steigen ab sofort um 10 Cent. Das Ziel, den Studierenden mindestens zwei vollständige Mahlzeiten zu einem vergünstigten Preis anzubieten, bleibt jedoch bestehen. Die dringend erforderliche psychotherapeutische Unterstützung für Studierende wird gleichzeitig ausgebaut. Hohen Personalkosten stehen hier, anders als etwa im Bereich des studentischen Wohnens, der sich selbst trägt, keine Erlöse gegenüber, die Beratungen sind für Studierende kostenlos.

Wolfgang Rettich: „Nicht zuletzt vier Pandemiesemester haben bewirkt, dass die Zahl existenziell verunsicherter Studierender gestiegen ist. Fachleute erwarten hohe gesellschaftliche Folgekosten, wenn hier nicht gegengesteuert wird. Um den Andrang zu bewältigen, Wartezeiten im Rahmen zu halten, erhöhen wir daher die Kapazitäten unserer Psychotherapeutischen Beratungsstelle. Wir leisten insgesamt sehr vielfältige Dienste, damit junge Menschen möglichst sorgenfrei studieren können, sind aber zunehmend mit großen Unsicherheiten konfrontiert. Die wirtschaftliche Gesamtsituation wirkt sich auch im Non-Profit-Bereich aus: Gerade als Sozialunternehmen stehen wir vor komplexen Herausforderungen, denn nicht nur die psychischen Belastungen der Studierenden sind gewachsen. Viele befinden sich in angespannter finanzieller Lage.  Zu erwartende Verbesserungen, etwa beim BAföG, kommen nur einer kleinen Gruppe Antragsberechtigter zugute“.


Ansprechpartner für Presse/Medien: Detlef Gollasch, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit

Tel (06151) 16-29290, d.gollasch@stwda.de

Studierendenwerk

Zurzeit sind die rund 280 Beschäftigten des Studierendenwerks zuständig für rund 42.000 Studierende der Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt.

Sie versorgen die jungen Menschen in den Einrichtungen der Hochschulgastronomie, bearbeiten BAföG-Anträge, leisten hochqualifizierte Beratungen und bieten über 3.000 Studierenden in zehn Wohnanlagen ein erschwingliches Zuhause. Dazu kommen unterschiedlichste gesundheitsorientierte, soziale und (inter-) kulturelle Angebote.

 

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