Aktionswoche „Nachhaltige Lebensstile“: Wie klimafreundlich (b)isst du?

Essen macht Klima - Aktionswoche „Nachhaltige Lebensstile“: Wie klimafreundlich (b)isst du?

Von Ann-Kathrin Landzettel

Im Rahmen der Europäischen Nachhaltigkeitswoche ist die Aktionswoche „Nachhaltige Lebensstile“ entstanden, die vom 03. bis 07. Juni gemeinsam von der Initiative für Nachhaltige Entwicklung in der h_da (i:ne), der Hochschulgruppe Nachhaltigkeit, dem Studierendenwerk Darmstadt und dem Projektbüro Nachhaltigkeit der TU auf die Beine gestellt wurde.

Ernährung in Zeiten des Klimawandels

„Ich möchte mich bei allen ganz herzlich bedanken, die bei der Aktionswoche mitgewirkt haben und wünsche mir, dass wir gemeinsam mit Ihnen als Studierenden, den Initiativen und den Hochschulen Nachhaltigkeit im Hochschulraum immer weiter vorantreiben und weiterentwickeln können“, begrüßte Ulrike Laux, Geschäftsführerin des Studierendenwerks zum Auftakt die Besucher*innen der Auftaktveranstaltung und gab im Anschluss das Wort an Julian Stock von Alnatura. Der Referent des Vortrags „Ernährung in Zeiten des Klimawandels“ kennt die drei größten Klimasünden auf unserem Teller:

  • Fleisch und andere tierische Produkte
  • Produkte aus konventioneller Landwirtschaft
  • Essen, das übrig bleibt

„Wir befinden uns in der Klimakrise. Mit unserer Ernährung können wir einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten“, betonte Julian Stock. Besonders tierische Produkte verursachen viel CO2 und sind enorm ressourcenintensiv. Für ein Kilogramm Rindfleisch beispielsweise werden über 15.000 Liter sogenanntes „virtuelles Wasser“ und bis zu 17 Kilogramm Futtermittel wie Getreide oder Soja benötigt. Und nicht nur das: „Konventionelles Fleisch hat eine unmittelbare Verbindung zur Rodung von Regenwald. Außerdem sind Produkte aus konventioneller Landwirtschaft auch deshalb kritisch, da die eingesetzten Pestizide und Monokulturen enorme Auswirkungen auf die Zahl von Insekten und die Biodiversität im Allgemeinen haben. Und was viele nicht wissen: Mit dem Essen, das wir wegwerfen, könnten wir theoretisch die Nahrungslücke auf der Welt schließen“, erklärte der Referent.

CO2-Emission: Wie klimafreundlich ist Mensaessen?

Unser Essen verursacht rund ein Fünftel der CO2-Emission in Deutschland. Unterschiedliche Lebensmittel nehmen unterschiedlich stark Einfluss auf den Treibhauseffekt. Die Klimabilanz der Lebensmittel ist abhängig vom Herstellungs-, Verarbeitungs- und Transportprozess. In der Aktionswoche konnten die Mensa-Gäste einen ersten Eindruck gewinnen: In allen Mensen des Studierendenwerks waren die angebotenen Hauptgerichte mit ihrem CO2-Fußabdruck gekennzeichnet. Als KlimaTeller waren die Gerichte ausgezeichnet, die mindestens 50 Prozent weniger COals der Durchschnitt aller Gerichte verursachten. Oder anders: Ein als KlimaTeller ausgezeichnetes Gericht spart fast ein Kilogramm CO2 ein, etwa so viel wie eine Autofahrt von acht Kilometern.

„Im Rahmen der Vorbereitungen auf den KlimaTeller hatte ich einen ziemlichen Aha-Effekt“, erinnert sich Ulrike Laux. „Ein KlimaTeller hat knapp 800 Gramm CO2-Äquivalente. Unsere Bio-Kartoffeln verbrauchen pro Portion 26 Gramm CO2-Äquivalente. Wir können also viele Kartoffeln essen und immer noch klimafreundlich sein. Aber: Wenn Sie eine Portion Pommes essen, dann verbrauchen Sie schon 1088 Gramm CO2-Äquivalente. Das ist dann nicht mehr klimafreundlich.“

KlimaTeller-App: Welchen CO2 -Fußabdruck hat mein Essen?

Wie es um den CO2 -Fußabdruck anderer Gerichte bestellt ist, verrät die KlimaTeller-App, die Jana Kutschmann vom Team der Initiative Nachhaltige Entwicklung in der h_da (i:ne) im Rahmen des Selbstexperiments „Wie klimafreundlich (b)isst du?“ vorstellte. Nicht nur Unternehmen, Caterer, Schulen und Mensen nutzen die App. Jeder, der mitmachen möchte, kann sich anmelden und seine Gerichte auswerten. Auch das Mensa-Team hat den App-Check gemacht: „Wir haben während der Planung der Aktionswoche unsere Mensa-Gerichte mit Hilfe der KlimaTeller-App geprüft – und festgestellt, dass fast die Hälfte der Gerichte Klimateller sind. Das hat uns natürlich sehr gefreut und gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Georg Richarz, Nachhaltigkeitsmanager des Studierendenwerks.

Mensa-Gericht und klimafreundlich: Spaghetti mit gebratenem Tempeh und Brokkolipesto (427 g CO2-Aquivalente)

Klimafreundlich kochen – worauf kommt es an?

Wer ohne KlimaTeller-App mit niedrigen CO2 -Werten kochen möchte, für den hat Jana Kutschmann ein paar „Quick-Tipps“: „Ein erster wichtiger Schritt ist es, regional und saisonal einzukaufen. Außersaisonale Obst- und Gemüsesorten haben entweder einen langen Transportweg hinter sich oder kommen aus einem beheizten Treibhaus. Ein weiterer klimafreundlicher Schritt ist, Erzeugnisse aus ökologischer Landwirtschaft zu bevorzugen. Hier werden keine chemisch-synthetischen Pestizide oder mineralische Düngemittel eingesetzt, deren Herstellung sehr energieaufwändig ist. Wer zudem den Schwerpunkt auf eine pflanzenbasierte Ernährung setzt, trägt viel zu einer klimaschonenden Ernährung bei.“

Es summt auf dem Mensa-Dach Lichtwiese

Neben dem KlimaTeller wird die Woche der Nachhaltigkeit von Vorträgen, Filmen und Workshops begleitet. Interessierte konnten die Solarhäuser der TU, die „Mensa-Bienen“ und die Hochbeete an der Lichtwiese kennenlernen. Während der „Grünen Mittagspause“ wurde gemeinsam mit Foodsharing Darmstadt ein Mittagsessen aus geretteten Lebensmitteln zubereitet. Bei der Abschlussveranstaltung hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Erkenntnisse, Erlebnisse und Ideen aus der Woche in gemeinsamer Runde auszutauschen. Einen Überblick über noch besuchbare Veranstaltungen haben wir zusammengestellt.

Bienen auf dem Dach der Mensa Lichtwiese

Große Ziele: Die nachhaltige Reise geht weiter

Die Aktionswoche endet – nicht aber der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit. „Das Studierendenwerk hat zum Ziel, den Bio-Anteil der eingekauften Produkte bis Ende des Jahres von 13 auf über 20 Prozent zu erhöhen“, sagt Georg Richarz. „Außerdem möchten wir im Rahmen der nachhaltigen Verpflegung zukünftig stärker mit Partnern zusammenarbeiten, die regionale und/oder Bioprodukte anbieten.“ Und noch ein Projekt ist in Arbeit: Bis Ende des Jahres sollen in den Gasträumen der Mensen „Müllinseln“ stehen, in denen der Abfall getrennt entsorgt werden kann. Dann haben Studierende eine weitere Möglichkeit, einen kleinen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit zu leisten.

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