Verzweifelt studieren

Verzweifelt studieren

03.02.2017 · Sie schleichen sich zuerst leise in den Kopf. Doch irgendwann lassen sich die Fragen nicht mehr wegschieben: Studiere ich das Richtige? Passt mein Studium überhaupt zu mir? Soll ich abbrechen? Aber was dann? StudienzweiflerInnen sind mit einer Menge Fragen konfrontiert – und mit vielen Ängsten und Frust. Wir haben bei der Psychotherapeutischen Beratungsstelle (PBS) des Studierendenwerks nachgefragt, wo sie Rat und Hilfe finden.

Den Bedenken auf den Grund gehen

„Auch wenn viele so denken: Zweifeln hat nichts mit Versagen und ein Studiengangwechsel oder -Abbruch nichts mit Scheitern zu tun. Im Gegenteil: Zweifel an sich sind nichts Negatives, sie bieten immer auch Chancen. Wichtig ist allerdings, dass man sich ihnen stellt und schaut, was man daraus machen kann“, betont Beatrix Heinemann-Gill, Mitarbeiterin der PBS. Sie weiß, dass Zweifel in jeder Phase des Studiums kommen können. Am Anfang, wenn die Umstellung von der Schule an die Universität schwerfällt. In der Mitte, wenn sich plötzlich der Berufswunsch oder die persönlichen Ziele ändern oder der Leistungsdruck übermäßig erscheint. Doch auch kurz vor dem Ziel begleitet viele Studierende der  Gedanke, den falschen Weg eingeschlagen zu haben. Zukunftssorgen, aber auch Angst vor der Reaktion von Familie und Freunden sind eine zusätzliche Belastung. Viele behalten ihre Gedanken daher lange für sich – und sehen irgendwann nur noch einen Ausweg: den Abbruch.

Unterstützung kann viel bewirken

Laut der letzten Studienabbruchstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) brachen im Absolventenjahrgang 2012 – neuere Zahlen liegen bislang noch nicht vor – 28 Prozent der Bachelor-Studierenden in Deutschland ihr Studium ab. Die Auswertung berücksichtigte alle Hochschularten. „Die Abbruchquote ist vor allem in den sogenannten MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, sehr hoch. Sie liegt teilweise bei über 40 Prozent“, weiß Heinemann-Gill. „Hier geht viel Potential verloren. Das müsste oft nicht sein, wenn die Studierenden sich früher Unterstützung holen würden.“

Beratung - ergebnisoffen und anonym

Rat und Hilfe gibt es sowohl bei der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studierendenwerks als auch beim Beratungsnetzwerk, das seit drei Jahren jeden letzten Dienstag im Monat eine offene Sprechstunde anbietet. Hier sind neben den Experten der PBS auch Ansprechpartner der Zentralen Studienberatung der TU sowie der Hochschule Darmstadt, der Industrie- und Handelskammer Darmstadt, der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main sowie vom Hochschulteam der Agentur für Arbeit zu finden. Die Beratung ist ergebnisoffen und anonym. Es geht vor allem um den ersten Austausch. Bei Interesse können anschließend weitere Termine vereinbart und verschiedene Lösungswege erarbeitet werden.

Das Darmstädter Netzwerk für StudienzweiflerInnen wird unterstützt vom BMBF-geförderten Projekt “N.I.S. 2.0 Netzwerk Berufliche Integration von Studienabbrechenden in Hessen”. Nächster Termin: 28.02.2017 in der Mensa Stadtmitte, Alexanderstr. 4, Raum Nizza, 1. OG über dem Bistro.

Umorientierung, Neustart ...?

Wichtig ist Heinemann-Gill vor allem, dass die Studierenden ihre Situation nicht als Sackgasse begreifen, sondern ihr Potenzial zur Weiterentwicklung in den Blick nehmen. „Jeder sollte die Möglichkeit haben, das zu tun, was ihm liegt und was ihn glücklich macht. Ist das erste angestrebte Ziel doch nicht das richtige, darf man weitersuchen, sich umorientieren und einen Neustart wagen. Und manchmal ist es bereits eine enorme Erleichterung, wenn man sich über die Regelstudienzeit hinaus Zeit einräumt. Zu studieren heißt sich zu entwickeln. Zeitdruck ist hier oft kontraproduktiv.“

Termine des Darmstädter Beratungsnetzwerks

Die offene Sprechstunde findet an jedem letzten Dienstag des Monats von 16:00 - 18:00 Uhr statt - im Wechsel entweder in der Mensa Stadtmitte, Alexanderstr. 4, Raum Nizza, 1. OG über dem Bistro: 28.02. · 25.04. · 27.06. · 29.08. · 24.10.

oder im Café Glaskasten, EG im
Hochhaus der Hochschule Darmstadt in der Schöfferstr. 3: 31.01. · 28.03. · 30.05. · 25.07. · 26.09. 28.11.

Die Kontaktdaten zu den im Beratungsnetzwerk “N.I.S.” engagierten Mitarbeiterinnen der Psychotherapeutischen Beratungsstelle (PBS) des Studierendenwerks finden Sie in der Kontakt-Box.

 

Kontakt

Öffentlichkeitsarbeit

Tel (06151) 16-29290, 16-29291, 16-29292, 16-29293
Fax (06151) 16-29819


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Beratungskontakt

Psychotherapeutische Beratungsstelle

im Wohnheim (Altbau)

Nieder-Ramstädter-Str. 191
64285 Darmstadt

 

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Beatrix Heinemann-Gill

Tel (06151) 16-29852
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Sandra Bausch-Haumann
Tel (06151) 16-29851
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Diesen und andere Beiträge finden Sie in unserer aktuellen Mensa-Zeitung "Quirl". Der "Quirl" liegt zur kostenlosen Mitnahme an den Bistro- und Mensenkassen aus.

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