Unser Sozialauftrag ist wichtiger denn je

„Unser Sozialauftrag ist wichtiger denn je"

Die Geschäftsführerin des Darmstädter Studierendenwerks Ulrike Laux zur 21. Sozialerhebung. Randauszählung für Darmstadt bestätigt Deutschland-Trends

Frau Laux, eine unverzichtbare Übung lautet alle drei Jahre für Sie: die lokale Auszählung der neuen Sozialerhebung beauftragen, Ergebnisse einordnen und Trends identifizieren. Dann, was zu tun ist, anpacken und natürlich: wo nötig die Stimme in Richtung Politik erheben. Sie sind seit Januar für zwei Jahre Sprecherin der hessischen Studierenden- und Studentenwerke - was wünschen Sie sich von der Lokal- bzw. Hessen-Politik? Welche Darmstadt-Befunde sind wichtig?


Ulrike Laux (r.) erklärt die 21. Sozialerhebung

Wirtschaftliche Situation

Die Erwerbstätigenquote ist bei „unseren” Studierenden gegenüber 2012 um 10 % gestiegen. Zwar betragen überwiegend aus diesem Grund ihre durchschnittlichen Einnahmen 919,2 Euro im Monat. Die Quote der BAföG-Beziehenden ist jedoch gegenüber 2012 um ca. 7 % auf 14,4 %gesunken.

Ich meine deshalb, wir sollten beim BAföG zu einer regelmäßigen Anpassung der BAföG-Sätze kommen. Eine lange Phase des Stillstands darf es nicht geben. In Darmstadt zahlen Studierende durchschnittlich 347,5 € Monatsmiete. 10,1 % von ihnen haben ein Wohnheimzimmer im Studierendenwerk, beim Bauverein oder bei anderen Anbietern. Gerade Studierende mit unterdurchschnittlichem Einkommen sind auf Wohnheimzimmer angewiesen.

Dies gilt nach wie vor besonders für internationale Studierende. Mehr als 50 % unserer Mieter*innen stammen aus dem Ausland. Über die laufenden Sanierungsprojekte und Expansionsmaßnahmen hinaus brauchen wir mehr erschwinglichen Wohnraum. Die punktuell schon realisierte öffentliche Förderung vergleichsweise günstiger Mieten durch angemessene Baukostenzuschüsse sollte erweitert werden, damit wir in unseren Darmstädter Wohnanlagen endlich mehr als 6 % der hiesigen Studierenden ein Zimmer anbieten können.

Beratung

Mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, die das Studium erschwert, sehen sich 12,7 % der hiesigen Studierenden konfrontiert. Die Beratungsstellen des Studierendenwerks werden aus diesem Grund häufig frequentiert. Unsere Psychotherapeutische Beratungsstelle wird in diesem Jahr ihr 50jähriges (!) Jubiläum begehen. Gesundheitsorientierte Angebote, wie das aktuelle Seminar „Mentalstrategien“, das wir in Kooperation mit der TK durchführen, werden zunehmend gut angenommen.

Nachhaltigkeit/Kommunikation

Ressourcen zu schonen sehe ich auch als wichtige Aufgabe des Studierendenwerks. Die jüngsten Maßnahmen rund um die To-Go-Becher sind ein Beispiel dafür. 2018 nehmen wir zusammen mit h_da-Wissenschaftler*innen und anderen Akteuren eine Verbundlösung für Darmstadt systematisch in den Blick. Und wir arbeiten intensiv an der Einführung eines Umwelt-Management-Systems. Unsere Kommunikationskanäle, eingeschlossen Social-Media, haben sich positiv entwickelt. Wir wollen als Nächstes eine Mensa-App bereitstellen und das Leitsystem zunächst im Mensabereich Stadtmitte erneuern.

Hochschulgastronomie

71,6 % der Darmstädter Studierenden gehen regelmäßig in die Mensa. 36,9 % der Mensa-Besucher*innen sehen sich als Stammgäste, 32,6 % als sporadische Nutzer*innen. Die 28,4 % der Studierenden, welche nicht in die Mensa gehen, wollen wir auch erreichen: Wir arbeiten an einem ökologischen Zukunftskonzept und bauen vegetarische und vegane Angebote aus. Unsere Argumente, die wir schon seit einiger Zeit z. B. für die Stärkung der vegetarischen, veganen und Bio—Linie in der Mensa anführen, sind mehr und mehr auch in der öffentlichen Diskussion präsent. Dass weniger Schnitzel- oder Steak-Konsum Tier und Umwelt nützt, hat es gerade (11.01.2018) auf die Titelseite der FR geschafft. „Friss die Hälfte“ stand da provokant zu lesen. Wir wollen aber über eine Bio-Kampagne mit den Studierenden positiv in die Diskussion kommen. Vitalität und Genuss lauten nicht zufällig unsere Leitideen in dem Bereich.

Mein Fazit: Unser Sozialauftrag ist mir wichtiger denn je. Wir sind auf einem guten Weg und es bleibt viel zu tun.

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