Mehr bio in der Mensa

Mehr bio in der Mensa – schon bald alternativlos

Das Studierendenwerk entwickelt Maßnahmen-Pakete, um die Angebotslinie in den Mensen und Bistros nachhaltig zu verändern. Es werden Vorschläge aufgegriffen bzw. umgesetzt, die Ende 2016 bei einem interdisziplinären Team-Workshop mit dem international geschätzten Fachmann in Sachen globaler Öko-Problematik und alternativer Nahrungsproduktion Felix Prinz zu Löwenstein eingebracht wurden.


Workshop-Teilnehmende mit Felix Prinz zu Löwenstein

Ziel des Workshops waren Aufklärungs- und Lern-Effekte hinsichtlich ökologischer Erkenntnisse sowie konkrete Ansätze für Mensakonzepte, die in die Zukunft weisen.

Warum ökologisch?

Das Studierendenwerk geht inzwischen davon aus, dass aufgrund der Folgen des Raubbaus in der Natur der Ausbau von Angeboten aus ökologischer Landwirtschaft forciert werden muss.

Begleiterscheinungen bzw. Effekte der sogenannten „konventionellen“ Nahrungsmittelproduktion wie Massentierhaltung, Gentechnik, Pestizide, die Verschwendung von Ressourcen und der Raubbau an nähstoffreichen Böden, Übersättigung der Böden durch tierischen und künstlichen Dünger und hochgradige Nitrat-Belastungzerstören das ökologische Gleichgewicht, was immense Kosten verursacht.

Aktuelle Essenspreise spiegeln negative Umwelt-Bilanzen nicht wieder, denn beispielsweise die Ausgaben für das Reinigen des Leitungswassers von Pestiziden und Nitraten, die durch die Ausbringung im konventionellen Landbau ins Grundwasser gelangt sind, werden vergesellschaftet.

Um gegenzusteuern gilt es, neben der Unterstützung ökologischer Landwirtschaft, den Fleischkonsum zu reduzieren.
Würde man die Größe der Tierbestände an die vorhandenen Weideflächen anpassen, könnten sich u. a. Treibhausgas-Emissionen und der Futter- und Ackerverbrauch in der Landwirtschaft auf ein verträgliches Maß einpendeln.

Best Practice: Kopenhagen

Ein Beispiel für einen erfolgreichen Umstieg liefert Kopenhagen. In der öffentlichen Großverpflegung konnte dort in sieben Jahren ein sehr hoher Öko-Anteil erreicht werden. Entscheidende Faktoren: mehr frische-, weniger Convenience-Produkte, Verkleinerung des Fleisch-Anteils, Abfall-Reduktion.

Das Projekt „House of Food“ als Bestandteil des Großprojekts „Copenhagen: CPH Climate Plan 2025“ mit seiner Umstellung des Ernährungsangebots in öffentlichen Kantinen und Schulen stößt auf unser besonderes Interesse.

Leitfrage und Zielsetzung

Wie kann das Studierendenwerk in seinen Mensen und Bistros deutlich mehr Bio-Erzeugnisse anbieten als bisher und gleichzeitig mehr Studierende mit seinem Angebot erreichen?
Wie kann gleichzeitig dafür gesorgt werden, dass die Kosten für die Kunden, wenn irgend möglich, insgesamt nicht steigen und mehr Kunden als bisher ein Anreiz geboten wird, in die Mensa zu gehen?

Das Projekt-Ziel lautet: Nachhaltigkeit und Genuss unter einem Hut – Berücksichtigung von Klima-, Tier- und Artenschutz. Der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung des Studierendenwerks muss auch in der Mensa Rechnung getragen werden.

 

„Wir müssen umdenken“-  Öffentlicher Vortrag von Felix zu Löwenstein

17.11.2016, Mensa Stadtmitte · Mit modernem Agrar-Business gehen Massentierhaltung, Gentechnik, Überdüngung, Pestizide, die Verschwendung wertvoller Ressourcen wie Wasser und der Raubbau an nähstoffreichen Böden einher. „Wir müssen umdenken“, forderte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein während seines Vortrages.

Vortrag in der Mensa
Vortrag mit Felix Prinz zu Löwenstein in der Mensa Stadtmitte

Ökologische Balance gefährdet

Das Studierendenwerk Darmstadt hatte den bekannten Wissenschaftler eingeladen. Welche Folgen die sogenannte „konventionelle“Nahrungsmittelproduktion bereits hat, verdeutlichte Löwenstein, dem inzwischen das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, unter anderem so:  Während die Menschen in Deutschland pro Jahr etwa 800 Tonnen Antibiotika einnehmen, kommen in der Tiermast ca. 1.400 Tonnen zum Einsatz. Hühnern werden die Schnäbel abgeschnitten, damit sie sich, eingepfercht auf engsten Raum, nicht gegenseitig verletzen; in China klettern Wanderarbeiter bereits mit Baumwollknäueln durch gigantische Obstplantagen, um per Hand zu bestäuben, weil es nicht mehr genügend Bienen gibt.


Diskussion mit Studierenden und Gästen

Löwenstein: „Wie produktiv auch immer unsere derzeitige Methode sein mag, Nahrung herzustellen: Wenn sie zu so einer dramatischen Beeinträchtigung unserer Überlebensvoraussetzungen beiträgt, ist sie nicht effizient genug, um fortgesetzt zu werden“.

 

Bio wählen, den Fleischkonsum reduzieren

Um gegenzusteuern, seien drei Punkte essentiell: Neben der Unterstützung ökologischer Landwirtschaft gilt es, den Fleischkonsum deutlich zu reduzieren. Würde man nämlich die Größe der Tierbestände an die vorhandenen Weideflächen anpassen, statt mit Kraftfutter wie Sojaschrot und Getreide nachzuhelfen, ließe sich nicht nur das Problem der Übersättigung der Böden durch tierischen und künstlichen Dünger und ausufernder Nitrat-Belastung lösen. Auch Treibhausgas-Emissionen und der Futter- und Ackerverbrauch in der Landwirtschaft könnten sich auf ein verträgliches Maß einpendeln. Ein weiteres Problem: Immer noch werden zu viele Lebensmittel weggeworfen.

Jede Kaufentscheidung zählt

Mit jedem Einkauf treffen wir eine Entscheidung mit Auswirkung auf die Umwelt – und im Idealfall gegen konventionelle Produktionsmethoden und ihre Begleiterscheinungen. Bio für alle sei nicht nur möglich, sondern unabdingbar, wenn wir die Natur nicht weiter ausbeuten wollten, so Löwenstein.

Mensa-Ziel: Nachhaltigkeit und Genuss unter einem Hut

 „Wir möchten die Hochschulgastronomie nachhaltig entwickeln und schmackhaftes und zugleich gesundes Essen anbieten“, fasste Ulrike Laux, Geschäftsführerin des Studierendenwerks, im Anschluss an die den Vortrag abrundende rege Diskussion, die Ziele für eine Mensa der Zukunft zusammen.

Wie überzeugend „bio“ und „vegan“ serviert werden kann, bewies das Mensa-Team sogleich mit Vollkorn-Probier- Schnitten. Umdenken kann ziemlich gut schmecken.

Kontakt

Öffentlichkeitsarbeit

Tel (06151) 16-29290, 16-29291, 16-29292, 16-29293
Fax (06151) 16-29819
E-Mail