Interview mit Georg Richarz

Interview mit Georg Richarz

Ein erster Schritt - der kritische Blick auf die To-Go-Becher: Über 180.000 davon werden in den Mensen, Bistros und Kaffee-Bars des Studierendenwerks pro Jahr verbraucht. Um diese Menge und die damit einhergehende Ressourcen-Verschwendung einzugrenzen, sollen neue Wege beschritten werden.

Ein Gespräch mit Georg Richarz, Nachhaltigkeitsmanager des Studierendenwerks, anlässlich der Europäischen Woche der Abfallvermeidung, die vom 18. bis 26. November 2017 unter dem Motto „Gib Dingen ein zweites Leben!” stattfindet.

Welche Ziele hat sich das Studierendenwerk gesetzt?
Die Idee, an der Europäischen Woche der Abfallvermeidung teilzunehmen, ist gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt entstanden. Hauptziel ist auf die unglaublichen Abfall-Mengen aufmerksam zu machen, die allein durch die Verwendung von To-Go-Bechern entstehen. Im Rahmen des Kaffee-Verkaufs beim Studierendenwerk sind das durchschnittlich 3.530 Becher pro Woche. Das entspricht einem Abfall-Volumen von etwa 900 Litern.

Doch nicht nur der Abfall selbst ist das Problem. Für die Herstellung werden große Mengen Holz, Wasser und Erdöl benötigt. Das ist alles andere als nachhaltig. Hier ist es wichtig umzudenken. Wir möchten ein Zeichen setzen und werden während der Woche der Abfallvermeidung keine To-Go-Becher verkaufen. Gerade sie sind für mich ein Symbol der Wegwerfgesellschaft.

Wie soll es mit den Bechern weitergehen?
Als Zwischenschritt wird es Ende des Jahres eine neue, speziell gestaltete To-Go-Variante geben, die auf die Abfallproblematik hinweist. Dieser Becher wird statt bisher 20 dann 30 Cent Aufschlag kosten. Wir regen also an weniger davon zu benutzen und stattdessen Porzellan zu wählen. Auch selbst mitgebrachte Mehrwegbecher können gefüllt werden.

Ein Pfandbecher-Verbundsystem soll das Einweg-Prinzip ablösen. Wie könnte das aussehen?
Wir stehen noch am Anfang. Wichtig ist uns vor allem die Meinung unserer Gäste. Daher werden wir die Woche der Abfallvermeidung nutzen, um eine gemeinsam mit der h_da vorbereitete Befragung durchzuführen. Wir wollen herausfinden, wie die Studierenden zur Idee eines Pfandbecher-Systems für Darmstadt stehen und wie dieses idealerweise gestaltet sein sollte, um eine möglichst große Akzeptanz zu erreichen. Danach könnte es zusammen mit der h_da und weiteren Akteuren in die Detailplanung für ein darmstadtweites System gehen. Dabei sollen auch ökologische Aspekte wie das am besten geeignete Bechermaterial berücksichtigt werden.

Welche weiteren Ziele haben Sie in Bezug auf Abfallvermeidung?
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Mülltrennung. Hier wollen wir schauen: Was passiert mit dem Müll, wie wird er entsorgt, wie trennen wir? In diesem Prozess können wir umwelttechnisch optimieren. Abfallvermeidung im Bereich der Hochschulgastronomie ist ebenfalls ein Thema. Wichtige Anregungen kommen hier immer wieder auch von unseren Gästen. Zum Beispiel fällt einiges an Abfall durch die Benutzung von Salz- und Pfeffertütchen an. Das gilt ebenso für Ketchup- und Senf-Päckchen aus Plastik. Auch hier denken wir über alternative Möglichkeiten nach. Mit den Kolleginnen und Kollegen möchten wir zudem prüfen, inwieweit man im Bäckerei- und Bistrobereich künftig Abfall vermeiden kann. Beispielsweise betrifft das die Teller, auf denen die Backwaren liegen. Die bestehen aus Pappe mit einer Kunststoffbeschichtung – was schwer zu recyceln ist.

Wie geht es in Sachen Bio in den Mensen weiter?
Bisher haben wir in den Mensen einen Bioanteil von gut drei Prozent und möchten diesen bis Ende 2018 um zehn Prozent ausbauen. Ganz leicht ist das nicht. Zum einen müssen wir Biolandwirte finden, welche die von uns benötigten Mengen frisch zur Verfügung stellen können – notwendigerweise schon geschält und geschnitten. Das betrifft etwa Kartoffeln und andere Gemüsesorten. Zum anderen sollen die Gerichte für die Gäste bezahlbar bleiben. Und die Nachfrage muss stimmen.

Gerade beim Thema Abfallvermeidung können die Verbraucher eine Menge erreichen. Worauf legen Sie persönlich im Alltag besonderen Wert?
Ich verzichte beim Einkauf konsequent auf Plastiktüten. Für Obst und Gemüse verwende ich ein kleines waschbares Gemüse-Netz. Aufschnitt lasse ich häufig in eine mitgebrachte Vorratsdose füllen - leider ist das nicht in jedem Supermarkt problemlos möglich. Und die meisten Lebensmittel kaufe ich in Bioqualität.

Info-Aktion zur To-Go-Problematik in der MIttagszeit

Mensa Stadtmitte: 20., 23. & 24. 11.

Mensa Lichtwiese: 21. & 22.11.

Mensa Schöfferstraße 20. - 24.11.

Mensa Dieburg 20.11. & 21.11. & 24.11.

In unseren Mensen, Bistros und Kaffee-Bars werden in diesem Zeitraum keine To-Go-Becher verkauft.