Noch eine Erde bitte!

Noch eine Erde bitte


Wie „öko" sind wir? Wer gewinnt den Earth Overshoot Day? Die etwas andere Meisterschaft der „Kugel Earth".


Seit fast 2 Monaten schaut der Astronaut Alexander Gerst von der ISS auf die Erde herab. Was er da sieht, macht ihn nachdenklich. „Wenn man da oben in einem Raufschiff ist, wirkt es grotesk, wenn Menschen die Umwelt verschmutzen und Wälder wie den Regenwald abholzen, die unsere grüne Lunge sind", sagte der Astronaut während einer ESA-Pressekonferenz.

Alles was wir an Ressourcen verbrauchen, ist irgendwann einmal gewachsen. Die Erde hat es bis zur Mitte der 80er Jahre geschafft unsere jährliche Nachfrage nach natürlichen Ressourcen wie Wasser, Holz, Tieren und weiteren durch Regeneration und nachwachsen wieder auszugleichen. Seit 1987 verbrauchen wir mehr als innerhalb eines Jahres nachwächst und haben deshalb schon heute langfristig Probleme – Klimawandel, Artensterben, Wassermangel, um nur einige zu nennen.

Wo drückt denn der Schuh?

Die Menschheit hat die Ressourcen, welche die Erde in einem Jahr regenerieren kann, 2018 bereits am 1. August aufgebraucht. Die Organisation Global Footprint Network errechnet dieses Datum jedes Jahr. Dazu wird die Biokapazität der Erde, also das Angebot der natürlichen Ressourcen, die innerhalb eines Jahres generiert werden können dem ökologischen Fußabdruck, also der Nachfrage der Menschheit nach natürlichen Ressourcen gegenübergestellt. Näheres zur Methode findet ihr unter overshootday.org.

Anhand dieser Konto-Rechnung wird ermittelt, an welchem Datum die Menschheit bereits mehr Ressourcen verbraucht hat als die Erde in einem Jahr regenerieren kann. Dabei lässt sich beobachten, dass dieses Datum sich in den letzten 40 Jahren immer mehr nach vorne verschiebt, also die Nachfrage das Angebot übersteigt. Die Menschheit lebt, als hätte sie 1,7 Erden zur Verfügung – d.h. wir verbrauchen die Rohstoffe der Natur 1,7-mal schneller, als die Erde sich erholen kann. Betrachtet man die einzelnen Industrienationen – speziell Deutschland – rückt das Datum deutlich näher: 02. Mai 2018 – Demnach bräuchten wir drei Erden, wenn alle Menschen so leben würden wie die Bevölkerung in Deutschland.

Konsum, Wohnen, Mobilität & Ernährung

Ein wesentlicher Bestandteil des ökologischen Fußabdruckes ist das klimawirksame Gas CO2. Die Deutschen erzeugen im Durchschnitt.pro Kopf ca. 12 Tonnen Kohlendioxid. Um die Erde im Gleichgewicht zu halten, müsste dieser Wert bei zwei Tonnen liegen. Anderenfalls führt die steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu einer Erwärmung der Erde mit fatalen Folgen für Natur und Lebewesen.

Auswirkungen der Landwirtschaft

Die Massentierhaltung verschlingt eine Menge an Ressourcen und Ackerflächen und produziert einen CO2-Ausstoß, welcher unmittelbar den Klimawandel und somit die Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt beeinflusst. Allein 750 Millionen Tiere werden jedes Jahr in Deutschland geschlachtet. Dabei ist ein Kilo Fleisch zehnmal umweltbelastender als ein Kilo Gemüse. Die industrielle Viehzucht verursacht mehr CO2 als das weltweite Verkehrsaufkommen. Die Grafik verdeutlicht, dass bereits bei den Emissionen der Landwirtschaft ca. 25 Millionen Tonnen CO2 nur durch die Verdauung und Tierhaltung erzeugt werden. Andere schädliche Emissionen wie Methan und Lachgas sind in der Rechnung nicht enthalten. Mit steigenden Durchschnittstemperaturen und veränderten Wetterbedingungen leidet die Menschheit als Verursacher selbst durch Ernteschäden. Weitere Nebenwirkungen der Massentierhaltung neben der Förderung des Klimawandels sind die Bildung von Antibiotika-Resistenzen, Verunreinigung von Grundwasser, ein viel zu hoher Wasserverbrauch (für 1kg Rindfleisch werden 15.000l Wasser benötigt) und eine Verringerung der Artenvielfalt aufgrund der Bildung von Monokulturen.

Der Regenwald lässt uns kalt

Die industrialisierte Landwirtschaft ist für ein Drittel der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Einen großen Anteil daran hat die Waldrodung des Regenwaldes für Viehhaltung und Futtermittelanbau mit Soja. Alle 2 Minuten geht weltweit eine Fläche von 35 Fußballfeldern (ca. 60.000 qm) verloren. Für die einheimische Massentierhaltung importiert die EU große Mengen an Soja und trägt damit indirekt zur Abholzung des Regenwaldes bei.

Der Klima-Beitrag in den eigenen vier Wänden

In der eigenen Wohnung werden CO2 und Rohstoffe direkt und indirekt über den Energieverbrauch erzeugt bzw. verbraucht. Für Warmwasser und Raumwärme wurden in Deutschland 2015 direkte 119,4t CO2 produziert. Zwar steigt der Trend zu effizienteren Heizungen und stärkerer Nutzung erneuerbarer Energien, allerdings steigt ebenfalls der Trend zu einer höheren Wohnfläche pro Person. Darüber hinaus entstehen hohe indirekte Emissionen durch die Energiebereitstellung für die privaten Haushalte beispielsweise bei der Erzeugung von Elektrizität durch Kraftwerke. Im Jahr 2015 lagen die indirekten Emissionen bei 93,4t CO2. Summa summarum entspricht das pro Kopf bereits 2,5 Mio. Tonnen CO2.

Einmal um die Welt …

… sang der Sänger Cro. Doch bereits ein Hin- und Rückflug von Deutschland auf die Malediven erzeugt ca. 5 Tonnen CO2 pro Person. Unten auf der Straße fahren die Autos dank neuer Technologien und Vorschriften grundsätzlich umweltschonender als früher. Aufgrund des gestiegenen Pkw-Bestandes sind die Emissionen in Deutschland jedoch um 2,3% auf 170,6 Mio. Tonnen CO2 gestiegen. Die untere Grafik verdeutlicht den CO2-Ausstoß pro Personen-Kilometer. Dabei sind durchschnittliche Auslastungsgrade der Verkehrsmittel berücksichtigt. CO2-Aquivalente sind eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawerte, da unterschiedliche Treibhausgase unterschiedliche Treibhauseffekte erzielen.

Konsum

Vor allem unsere Ernährung erzeugt 15% der privaten Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland. Neben dem bereits erwähnten Fleischkonsum, hat auch der Kleidungs-Kauf einen Einfluss auf die Umwelt. Neben der Verunreinigung von Seen und Gewässern, verbraucht die konventionelle Baumwollindustrie Unmengen an Wasser. Allein für die Herstellung eines Baumwoll-Shirts werden im Durchschnitt ca. 2500 Liter Wasser verwendet – in eine Badewanne passen 150 – 180 Liter. Der Aralsee war in den 60er Jahren einer der fünf größten Seen weltweit. Durch die Wasserabzweigung für Reis und Baumwolle ist der See inzwischen fast ausgetrocknet.

Das kannst Du tun

Damit der Earth Overshoot Day zukünftig nicht noch früher im Jahr liegt, hast du folgende Möglichkeiten dich zu engagieren:

 

  • Verpackungen reduzieren
  • Fleisch bewusst essen, den Fleischkonsum einschränken
  • bevorzuge regional erzeugte Produkte beim Einkaufen
  • ÖPNV und Fahrrad nutzen und das Auto öfter mal stehen lassen
  • langlebige Produkte kaufen
  • Abfälle vermeiden. Denn: Würden wir die Nahrungsmittelabfälle weltweit nur halbieren, würde der Earth Overshoot Day bereits 11 Tage später im Jahr stattfinden.

 

Zu guter Letzt: Wer wissen möchte wie groß der eigene ökologische Fußabdruck ist, kann dies online unter www.fussabdruck.de herausfinden.

 

Kontakt

Nachhaltigkeitsmanager

Georg Richarz

Porträt des Nachhaltigkeitsmanagers Georg Richarz

Tel.: 06151 16-29438

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