Aktuelles

Pinselschwung vom Ihr zum WIR: Künstlerin Zoya Sadri lässt Auszubildende zu Acrylfarbe greifen

Von Ann-Kathrin Landzettel
Bunt und kreativ war der im Rahmen des bundesweiten Projekts "Studium+M" angebotene Workshop für die Auszubildenden des Studierendenwerks Darmstadt: Unter der Anleitung der Künstlerin Zoya Sadri visualisierten sie mit Pinsel und Acrylfarben gemeinsam das Thema "Vielfalt leben – vom Ihr zum WIR". Entstanden sind Arbeiten, die einzeln ebenso ausdrucksstark sind wie als großes Ganzes.

Zoya Sadri, die unter anderem Kunstprojekte für Kinder mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung begleitet, möchte den Blick für Ungerechtigkeiten, Ausgrenzung und Diskriminierung schärfen. "Kunst ist eine Form der Kommunikation, die ohne Worte auskommt. Sie kann alle Menschen auf der Welt erreichen, egal welche Sprache sie sprechen. Kunst verbindet, macht Verborgenes sichtbar und zeigt die persönliche Vielfalt in jedem von uns", erklärt die in Teheran geborene Künstlerin.

Zwölf Leinwände, bunte Farben und viele Ideen

Wie sich Gedanken und Gefühle künstlerisch ausdrücken lassen, durften auch die Auszubildenden erfahren. Aufgeteilt in drei Gruppen stand allen eine Leinwand zur Verfügung. Ziel war es, sich kreativ mit den Themen Kultur sowie Eigen- und Fremdwahrnehmung auseinanderzusetzen. Dabei war jeder der Teilnehmenden frei in der Gestaltung. Trotzdem sollten die fertigen Bilder gemeinsam eine Einheit bilden und als verbindendes Element einen Kreis enthalten. Zuerst saßen die Teilnehmenden noch etwas ratlos vor den Farben. Doch bald entwickelten sich lebhafte Diskussionen und Ideen wurden ausgetauscht. Die Teams wollten etwas Gemeinsames erschaffen, sich gegenseitig aber auch genügend Freiraum geben. Die Ergebnisse begeisterten schließlich alle.

Das Yin und Yang-Zeichen ist ein starkes Symbol für Zusammenhalt

"Wir haben uns entschieden, die vier Leinwände zusammenzulegen und einen großen Kreis in die Mitte zeichnen. Dieser verbindet die vier Bilder und trotzdem konnte jeder seine Leinwand so gestalten, wie es ihm gefällt", erklärt die Tutorin Yan Yi das Ergebnis ihrer Gruppe. So enthält ein Bild Bogen-Elemente, die an das chinesische Schriftzeichen für Kultur angelehnt sind. Ein anderes Bild zeigt das Yin und Yang-Symbol für Zusammenhalt. Auf dem dritten Bild sind drei bunte Würfel zu sehen. Sie können einzeln stehen, sich aber auch ineinander fügen, erklärt das Team. Sie stehen für Individualität und Gemeinsamkeit. Die verschiedenen Farben signalisieren die Vielfalt der verschiedenen Kulturen. Auch das vierte Bild zeigt eine Vielzahl an Farben und Formen, so wie auch in einer Gemeinschaft viele verschiedene Persönlichkeiten anzutreffen sind.

Kontraste können positive Wirkung entfalten – künstlerisch wie gesellschaftlich

Bei Gruppe zwei zeigen die Bilder einen deutlichen Bruch. "Wir haben versucht, dass alles ineinander verläuft und dadurch eine Verbindung entsteht", erklärt die Auszubildende Regina Ratzlaff die vier Bilder ihrer Gruppe. "Im Verlauf haben wir uns aber in verschiedene Richtungen bewegt und dieses Ziel irgendwie aus den Augen verloren." Das sei überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil, betonte Projektleiterin Christina Wendt. Dies sei ein gutes Beispiel dafür, wie in sozialen Prozessen auch Widersprüche und gegenläufige Tendenzen akzeptiert werden können. Gruppen- und gesellschaftliche Dynamik sei ohne Konfrontation kaum vorstellbar – und das sei auch gut. Gemeinsamkeiten und Anknüpfungspunkte gebe es trotzdem immer, sagte sie. Mal seien sie intensiver und mal weniger intensiv. Und Zoya Sadri ergänzte: "Trotz Bruch bilden die Bilder ein stimmiges Ganzes. Wenn es zu harmonisch ist, wird es langweilig." Es brauche eine gewisse Spannung, auch gesellschaftlich. Sonst gebe es keine Entwicklung.

Zwischen den Kulturen können Missverständnisse entstehen

Die Bilder der dritten Gruppe zeigen unter anderem Zahnräder, Signalwellen, Musiknoten sowie das Weltall. "Es gibt Kulturen, die laufen wie Zahnräder ineinander. Da klappt das Miteinander", erklärte der Auszubildende Marvin Berlin die Leinwände. "Auf der anderen Seite kann es sein, dass verschiedene Kulturen Signale senden, die falsch aufgenommen werden und die zu Missverständnissen führen. Dann kann es zu Zusammenstößen kommen." Mit Hilfe verbindender Elemente könnten diese überwunden werden. Eine Möglichkeit sei Musik, die Menschen verschiedener Kulturen einander näher bringen kann. "Das Weltall wiederum ist ein Symbol für die Unendlichkeit. So wie auch die Vielfalt der Menschen unendlich ist", ergänzt Ajla Zukic. Christina Wendt sieht im Weltall zudem ein Symbol für Offenheit und Neugier. Nur so funktioniere das Miteinander. Dem stimmte auch die Künstlerin zu: "Es ist wichtig, den Blick für Gemeinsamkeiten zu schärfen, aber zugleich auch Unterschiede anzunehmen", so Zoya Sadri. "Die fertigen Bilder zeigen sehr schön, dass jede Gemeinschaft aus Individuen besteht, die miteinander verbunden sind. Jede einzelne künstlerische Arbeit kann für sich stehen, bildet mit den anderen aber dennoch eine Einheit."

Kunst gibt verschiedenen Denkweisen Raum

"Das ist das Schöne an dem Projekt 'Studium+M'. Es bietet viel Freiraum und Möglichkeiten, sich mit dem Kulturbegriff, Vorurteilen sowie Eigen- und Fremdwahrnehmung auseinanderzusetzen und die interkulturelle Kompetenz zu stärken", sagte Christina Wendt abschließend. "Durch die Workshops werden unterschiedliche Werte, Erfahrungen und Denkweisen erlebbar und das regt zum Nachdenken an. Dass wir heute zusammen mit der Künstlerin Zoya Sadri arbeiten konnten, war etwas Besonderes und hat neue Perspektiven ermöglicht." Auch Kizito Odhiambo, der zusammen mit der interkulturellen Trainerin den Workshop geleitet hat und zum Tutoren-Team des Projekts gehört, ist von den künstlerischen Elementen begeistert: "Es war wirklich spannend, mit dabei zu sein, wie aus einzelnen Ideen ein gemeinsames Werk entstanden ist. Das zeigt, wie Menschen zusammenwachsen können, wenn sie sich mit Respekt begegnen und sich aufeinander einlassen."

Kontakt

Interkulturelles

Mensa Stadtmitte

Alexanderstraße 4
64283 Darmstadt

Christina Wendt

Christina Wendt
Zi. 102
Tel (06151) 16-29781
E-Mail